Verbundprojekt ABEKO veröffentlicht Studie

Februar 2016 - Warum ältere Mitarbeiter und Menschen mit Migrationshintergrund unersetzlich sind und wie man sie beruflich richtig weiterbildet, diesen Themen widmet sich GlobalGate zusammen mit der TMT in der Studie "Eingerostet oder Erfahren? Anders oder Anpassungsfähig? Herausforderungen und Chancen für die betriebliche Weiterbildung im demografischen Wandel".

Motivation. Der demografische Wandel ist seit Jahren ein globales Metathema. Auch in Deutschland bestimmt die Bevölkerungsveränderung die öffentliche Debatte. Seit etwa Mitte der 80er Jahre wird diskutiert, welche Maßnahmen aus der dauerhaft niedrigen Geburtenrate sowie der steigenden Lebenserwartung für die Gesellschaft getroffen werden müssen. Dazu zählt auch die Forderung, den Bevölkerungsrückgang mit qualifizierter Zuwanderung abzumildern.

Im Rahmen einer Studie des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojektes ABEKO ("Assistenzsystem zum demografiesensiblen betriebsspezifischen Kompetenzmanagement für Produktions- und Logistiksysteme der Zukunft") wird daher untersucht, welche Auswirkungen der demografische Wandel auf Unternehmen, deren Belegschaft sowie deren Weiterbildung hat. Dabei liegt der Fokus auf den beiden Personengruppen ältere Beschäftigte und Menschen mit Migrationshintergrund.

Auch für Unternehmen ist der demografische Wandel mitsamt seinen Folgeerscheinungen eine große Zukunftsaufgabe: sie beschäftigen in wenigen Jahren fünf verschiedene Generationen, sie müssen mit weniger jungen Menschen planen, ihre betriebliche Umwelt an eine älter werdende Belegschaft anpassen und zunehmend mehr und mehr Menschen mit Migrationserfahrung integrieren und qualifizieren. Diese Aufgaben können, so die Zentralthese der vorliegenden Studie, nur mit einer kontinuierlichen, individuellen und effektiven Weiterbildung bewältigt werden. Doch in Deutschland haben Hochschulen, Berufsausbildungsinstitutionen und Fortbildungseinrichtungen bislang nur wenig Erfahrung, wie sie Lernende mit unterschiedlichen Voraussetzungen wie Alter und kulturelle Prägung durch ein jeweiliges Herkunftsland aus- und weiterbilden können. Es fehlt an einem Gesamtkonzept, dass Unternehmen gleich welcher Branche in eine aktive Auseinandersetzung mit dem demografischen Wandel versetzt.

Zwei weitere Tatsachen illustrieren den Handlungsbedarf. Zum einen benötigen die unterschiedlichen Gruppen (ältere Mitarbeiter und Menschen mit Migrationshintergrund) verschiedene sowie individuelle Lernwelten. Zum anderen ist nur wenig qualifiziertes praktisches Wissen in Deutschland vorhanden und ebenso fehlen umfassende Studienergebnisse über Lernbedürfnisse und geeignete Lernszenarien.

Fragestellung. Mit dem Fokus auf die Zielgruppen widmet sich die vorliegende Studie daher folgenden Fragen:

  • Wie ist der aktuelle Stand betrieblicher Weiterbildungspraxis in Deutschland für ältere Mitarbeiter und Menschen mit Migrationshintergrund?
  • Wie sollte angesichts des demografischen Wandels die betriebliche Weiterbildung für ältere Mitarbeiter und Menschen mit Migrationshintergrund idealerweise gestaltet werden?

Methodologie. In Anbetracht der beiden Fokusgruppen wird die Studie in zwei übergreifende Kapitel geteilt. Beginnend mit der Betrachtung der älteren Arbeitnehmer endet sie mit der Untersuchung der Menschen mit Migrationshintergrund. Beide Teile beginnen mit einer ausführlichen Literaturstudie über die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Erwerbsstruktur Deutschlands hinsichtlich des jeweiligen Fokus' Alter und Migration, einer Verdichtung von Best-Practice-Beispielen aus der betrieblichen Weiterbildungspraxis und Ableitungen für die Gestaltung betrieblicher Weiterbildungsmaßnahmen für die jeweilige Fokusgruppe. Aus den theoretischen Empfehlungen für die Gestaltung von betrieblichen Weiterbildungsmaßnahmen für ältere Mitarbeiter und Menschen mit Migrationshintergrund wird jeweils eine komprimierte "Checkliste für die Praxis" abgeleitet. Diese wird in beiden Fällen auf den Prüfstand gestellt. Jedes Kapitel endet mit einer Validierung der vorangehenden Literaturstudie. Das erste Kapitel, die Literaturstudie zu den älteren Mitarbeitern, wird qualitativ anhand eines Expertenworkshops validiert, in dem Teilnehmer unterschiedlicher Perspektiven anhand der Methode World Café die wesentlichen Ergebnisse diskutieren. Das zweite Kapitel, die Literaturstudie zu den Menschen mit Migrationshintergrund, wird quantitativ anhand einer Online-Umfrage validiert, die hauptsächlich Experten aus den Bereichen beruflicher Aus- und Weiterbildung beantwortet haben.

Ergebnisse. Als Ergebnis wird eine Bewertung der bisherigen Praxis vorgenommen und Forderungen für eine an den Bedingungen des demografischen Wandels geknüpfte Weiterbildung formuliert. An den mitgelieferten "Checklisten für die Praxis" können Unternehmen ihre unternehmensspezifische demografiesensible Weiterbildung ausrichten.

Implikationen. Deutschland als eine führende Industrienation muss im Kontext des internationalen Wettbewerbs um die knappe Ressource "qualifizierter Mitarbeiter" hier eine Neuausrichtung der beruflichen Aus- und Weiterbildung vornehmen. Dazu zählen auch die richtigen Begriffe, um die öffentliche Diskussion in die richtige Richtung zu lenken.

Johanna Dehler (Dipl. Psych.), Materna TMT, Dortmund
johanna.dehler@globalgate.de

Silke Gurris (BA Soziologie / Germanistik), GlobalGate GmbH, Dortmund

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