Forschungsprojekt zur Arbeit in der Altenpflege - Startschuss bei St. Gereon in Hückelhoven

März 2016 - "Wir werden in Deutschland zukünftig noch deutlich mehr Fachkräfte in der Pflegebranche brauchen als bisher. Die Attraktivität der Pflegeberufe zu steigern und gleichzeitig Konzepte zu entwickeln, wie Menschen in Pflegeberufen selber gesund bis zu Rente arbeiten können, ist von hoher gesellschaftlicher Relevanz" sagte Thomas Rachel MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bei der Überreichung der Förderzusagen am 29. Februar 2016 an das Alten- und Pflegeheim St. Gereon. Älter werden und bei der Arbeit gesund bleiben, ist das Ziel des Vorhaben "Pflege Prävention 4.0". Dazu wird der Verbund aus den Alten- und Pflegeeinrichtungen St. Gereon, der Deutschen Angestellten Akademie Ostwestfalen-Lippe, dem Deutschen Institut für Angewandte Pflegeforschung, MA&T Sell & Partner GmbH sowie das Regionalzentrum West der Johanniter Seniorenhäuser neue Konzepte der Gesundheitsprävention und Arbeitsgestaltung in der Pflege erarbeiten. Staatssekretär Thomas Rachel überreichte die Förderzusage für das Forschungsprojekt, welches vom BMBF mit rund 1,06 Mio. Euro gefördert wird.

In dem Projekt werden sich Altenpfleger und Altenpflegerinnen in allen berufsbiografischen Phasen von der Ausbildung bis zum Berufsende mit der eigenen Gesundheit und Arbeitsfähigkeit auseinandersetzen und beispielhaft mit den Wissenschaftspartnern ein Modell der Gesundheitsprävention erarbeiten, das die Ausübung des Berufes bis in das Rentenalter hinein ermöglicht. Unterstützend werden digitale Technologien und technische Assistenzsysteme zum Einsatz kommen. Ebenfalls entwickelt werden neue Strategien zur Rotation zwischen verschiedenen Dienstleistungsangeboten von Einrichtungen der Altenpflege. Die Maßnahmen werden vor dem Hintergrund skandinavischer Erfahrungen in diesem Kontext reflektiert. Parallel werden Konzepte entwickelt, um die Arbeit in Altenpflegeeinrichtungen durch präventionsfördernde Arbeitsvielfalt und Dienstleistungsvielfalt grundsätzlich aufzuwerten und damit die Attraktivität der Tätigkeit zu erhöhen.

Bernd Bogert, Geschäftsführer der St. Gereon Seniorendienste, und Georg Hammann von den Johanniter Seniorenhäusern im Raum Köln betonten, dass sie große Hoffnungen mit diesem neuen Forschungsprojekt verbinden. "Wir haben in den letzten Jahren unsere Dienstleistungsangebote systematisch ausgebaut. Wir werden das Projekt nutzen, um passende Tätigkeitsangebote für die jeweilige Lebenssituation unserer Mitarbeiter/innen weiter entwickeln zu können. Junge Mütter haben von den Arbeitszeiten und den Arbeitsinhalten her z.B. andere Anforderungen an Arbeitsinhalte und Arbeitszeit als erfahrene Fachkräfte, deren Kinder "aus dem Gröbsten raus" sind, oder als ältere Mitarbeiter/innen, die z.B. eine körperlich weniger belastende Tätigkeit wünschen. Von der koordinierenden Präsenzkraft in unseren Hausgemeinschaften über die "klassische Pflegekraft" in unseren Pflegetouren bis zur Arbeit in der Tagespflege und ambulanten Pflege bieten wir ein breites Tätigkeitsspektrum an. Im Rahmen des Projektes möchten wir unser Dienstleistungsspektrum z.B. in Form von spezifischen Angeboten für beatmungspflichtige Patienten, für Palliativpflege oder für geriatrische Rehabilitation noch erweitern, um dann nach dem Motto "Wollen - sollen - können" den Mitarbeiter/innen auch den Wechsel zwischen unterschiedlichen Tätigkeiten zu ermöglichen. So sollen insbesondere die Motivation, die Arbeitszufriedenheit und die Gesundheit auf einem hohen Niveau erhalten bleiben. Unser Elearning-Angebot und iPad-gestützte Dokumentationstechnik erleichtern dabei das Erlernen neuer Fachinhalte und die Erledigung der notwendigen Arbeiten zur Leistungserfassung und Rechnungsvorbereitung", so Bernd Bogert.

Foto bei der Auftaktveranstaltung des Verbundprojekts "Pflege Prävention 4.0"

Dr. Paul Fuchs-Frohnhofen, MA&T, Wilfried Oellers, MdB, Bernd Bogert, St. Gereon Seniorendienste, parl. Staatssekretär Thomas Rachel, BMBF, Dr. Gerd Hachen, MdL (v.l.n.r.)

"Wir wollen umsetzungsorientierte Forschung gemeinsam mit der Branche, mit den Einrichtungen und mit den Beschäftigten voranbringen" sagte Dr. Paul Fuchs-Frohnhofen von MA&T als Gesamt-Projektkoordinator. Er wird dabei unterstützt von Prof. Dr. Michael Isfort vom dip in Köln, der in dem Projekt auch eine Chance sieht, das Selbstbewusstsein der Altenpflege-Branche gerade im Hinblick auf die bevorstehende generalistische Pflegeausbildung zu stärken. Arbeitsvielfalt und Dienstleistungsvielfalt sind primäre Themen, die die DAA Ostwestfalen-Lippe als fünfter Verbundpartner, vertreten durch Herrn Jörg Schlüpmann, besonders intensiv bearbeiten möchte und die als Garanten für die Zukunftsfähigkeit der Branche angesehen werden.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Forschungsprogramms "Zukunft der Arbeit" von 2016 bis 2019 gefördert. Unter der fachlichen Begleitung des Projektträgers DLR wurde unter dem Dach des Forschungsprogramms der Förderschwerpunkt "Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde Arbeit von morgen" aufgebaut, in dessen Kontext nunmehr auch weitere Forschungsprojekte gestartet werden. Sie alle haben ein Ziel: Neue Ansätze der "Prävention" in Unternehmen und Betrieben zu entwickeln und diese zur Verbesserung der Arbeitssituation des Pflegepersonals sowie als Schlüssel zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit zu nutzen und zu verbreiten.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Verbundprojekts Pflege Prävention 4.0.

Ansprechpartner


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