Projekt des Monats

Hier stellen wir Ihnen jeden Monat ein Verbundprojekt aus dem Bereich "Arbeitsgestaltung und Dienstleistungen" vor. In diesem Monat aus dem Förderschwerpunkt "Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde Arbeit von morgen" das Verbundprojekt "Pflege Prävention 4.0 - Neue Modelle für die Prävention in der Altenpflege vor dem Hintergrund von Berufsbiografieorientierung, Dienstleistungsvielfalt und High-Tech".
Das Foto zeigt eine weibliche Altenpflegefachkraft mit Bewohnern eines Altenpflegeheims bei der Biografiearbeit

Verbundprojekt Pflege Prävention 4.0: Neue Modelle für die Prävention in der Altenpflege vor dem Hintergrund von Berufsbiografieorientierung, Dienstleistungsvielfalt und High-Tech

Herausforderungen

In zahlreichen Gutachten und Studien werden prognostische Berechnungen vorgenommen, die insgesamt einen stark steigenden Bedarf an Altenpflege-Fachkräften für Deutschland attestieren (Bertelsmann Stiftung, 2012). Im Zuge des demografischen Wandels und des damit einhergehenden Fachkräftemangels ist dies ein großes Problem.

Außerdem sorgen steigende Arbeitsanforderungen bei knappen Personaldecken vielfach dafür, dass die Arbeitszufriedenheit der Fachkräfte in der Altenpflege unzureichend ist (vgl. Simon, 2005; Fuchs-Frohnhofen u. a., 2010). Unter den Faktoren, die die Arbeitsfähigkeit in der stationären Altenpflege beeinflussen, ragen "psychische Belastungen" heraus, denn Pflege ist im Kern eine Interaktions- und Kommunikationsarbeit (Dunkel & Graber, 2010) und es sind nicht so sehr die - auch vorhandenen - körperlichen Belastungen, die die Arbeitsfähigkeit der Pflegekräfte einschränken, sondern primär die psychischen Belastungen (Isfort & Weidner, 2009).

Die Branche muss daher dafür sorgen, dass die Arbeit so attraktiv gestaltet wird, dass junge Menschen den Beruf ergreifen wollen und alternde Beschäftigte möglichst lange motiviert und leistungsfähig in dem Beruf bleiben. Die Sicherung der Gesundheit durch "Prävention 4.0" spielt dabei eine entscheidende Rolle, weil die Gesundheit der Beschäftigten Grundlage sowohl von Leistungsfähigkeit als auch von Zufriedenheit und Motivation bei der Arbeit ist.

Forschungsfragen, Schwerpunkte und Ziele

Das Verbundprojekt Pflege-Prävention geht u. a. folgenden Forschungsfragen nach:

  • Wie können Beschäftigte in der professionellen Altenpflege angeregt werden, sich in den verschiedenen berufsbiografischen Phasen von der Ausbildung bis zum Berufsende (Renteneintritt) mit der eigenen Gesundheit und Arbeitsfähigkeit auseinanderzusetzen und Gesundheitsprävention als Chance für bessere Arbeit und bessere Selbstverwirklichung zu erkennen und eigenaktiv anzugehen?
  • Wie können innovative und die zukunftsorientierte Wettbewerbsfähigkeit fördernde Dienstleistungsangebote in der Altenpflege mit neuen gesundheitspräventiven Chancen durch Rotation und beschäftigtenadäquate Arbeitsgestaltung verbunden werden und gleichzeitig zu einem verbesserten Employer Branding beitragen?
  • Welche Instrumente und Verfahren der arbeitsplatzbezogenen Messungen in der Altenpflege erscheinen geeignet, um individualisierte gesundheitsbezogene Risiken und Verhaltensmuster transparent zu machen?
  • Wie kann der konzeptionelle Zugang aus dem "Haus der Arbeitsfähigkeit" vor dem Hintergrund skandinavischer Erfahrungen für die gesundheitsfördernde Arbeitsgestaltung in der deutschen Altenpflege produktiv nutzbar gemacht werden?

Projektaufbau

Schaubild über die Themenfelder und die Projektpartner des Verbundprojekts Pflege Prävention 4.0

Das Projektkonzept von Pflege-Prävention 4.0 ist getragen durch eine enge Zusammenarbeit von Forschungs-, Bildungs- und Beratungsinstituten mit herausragenden Einrichtungen aus der Pflegebranche. Im Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis werden Modelle einer modernen Präventionsstrategie für die Pflegebranche entwickelt und erprobt und nachhaltig umgesetzt.

Die MA&T Sell & Partner GmbH und die Deutsche Angestellten Akademie entwickeln auf der Basis der Projektergebnisse langfristig neue tragfähige Beratungsmodule, die nach der Verwertung in das Beratungsportfolio aufgenommen werden. Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e. V. (DIP) erstellt mittelfristig eine pflege- und sozialwissenschaftlich basierte Konzept- und Themenmatrix, die der Neuausrichtung wissenschaftlicher Ansätze zur Präventionsforschung in Pflege- und Dienstleistungsberufen Leitplanken vorgibt.

Der Praxispartner St. Gereon wird mittelfristig die lebensphasenorientierten Präventionskonzepte auf alle Bereiche des Unternehmens übertragen und die Verwertung bei Netzwerkpartnern anstoßen. Die Johanniter Seniorenhäuser planen die Ergebnisse und Produkte des Projektes in anderen Regionalzentren zu implementieren und die dort gemachten Erfahrungen zu reflektieren.

Das Schaubild rechts stellt die Themenfelder und die Projektpartner dieses Forschungsprojektes dar.

Erste Ergebnisse und Impulse

Die Pflegebranche kann attraktive Beschäftigung bieten, gerade auch für Beschäftigte mit familiären Verpflichtungen

Die Pflegebranche mit ihrem hohen Anteil weiblicher Beschäftigter kann ein Treiber für gesunde Arbeit in Deutschland werden. Wichtig ist dabei, durch intelligente Arbeitsorganisation und die Anregung individueller und ganz persönlicher Gesundheitsprävention Arbeit derart zu gestalten, dass sie zu den unterschiedlichen Anforderungen und persönlichen Ressourcen entlang der Lebenswege der Beschäftigten passt.

Denn das persönliche Belastungsempfinden und der Umgang mit beruflichen Anforderungen sind veränder- und gestaltbar!

Sowohl der Arbeitgeber (Ilmarinen; Giesert; Tempel 2002) als auch der Mitarbeitende nimmt dabei ganz bewusst eine aktive Rolle ein (vgl. Schaarschmidt &Fischer, 2008:5-10). Gemeinsam werden Ressourcen identifiziert, ausgebaut und aktiviert sowie das richtige Maß an beruflicher Anforderung passend zur berufsbiographischen Phase aufgespürt. Dabei sind folgende Erkenntnisse eine Grundlage: Belastungen führen nicht unmittelbar zu Schäden, sondern zunächst zu Beanspruchungsreaktionen wie bspw. Gereiztheit, Motivationsverlust oder Unzufriedenheit. Erst wenn Beanspruchungsreaktionen längere Zeit und in starkem Ausmaß auftreten, sind manifeste gesundheitliche Beeinträchtigungen (Beanspruchungsfolgen) wahrscheinlich (BGW 2014:5). Demzufolge sind sie auch vermeidbar. Die arbeitswissenschaftlichen Ansätze werden im Projekt Pflege-Prävention 4.0 im Dialog zwischen Forschung und Praxis, zwischen Beratern und Bildungsexperten und vor allem zwischen Arbeitgebern und Mitarbeitenden aktuell ganz praxisnah umgesetzt.

Pflegekräfte sind leicht zu motivieren, in beteiligungsorientierter Projektarbeit Arbeitsanforderungen in den Blick zu nehmen und organisatorische, aber auch individuelle persönliche Ressourcen zu aktivieren.

Diese Aussage findet Bestätigung durch ein erstes sehr zufriedenstellendes Ergebnis der ersten Mitarbeiterbefragung im Projekt. 74 Prozent der teilnehmenden Mitarbeitenden der Praxispartner (gesamt 225) wünschten sich ein persönliches Feedback zu ihrem Arbeitsbezogenen Verhaltens- und Erlebnismuster. (AVEM) Das ist eine gute Grundlage zur motivierten Gestaltung guter Gesundheit und Arbeitsfähigkeit im weiteren Projektverlauf.

"Wir werden das Projekt nutzen, um passende Tätigkeitsangebote für die jeweilige Lebenssituation unserer Mitarbeiter/innen weiter entwickeln zu können. Junge Mütter haben von den Arbeitszeiten und den Arbeitsinhalten her z. B. andere Anforderungen an Arbeitsinhalte und Arbeitszeit als erfahrene Fachkräfte, deren Kinder "aus dem Gröbsten raus" sind, oder als ältere Mitarbeiter/innen, die z. B. eine körperlich weniger belastende Tätigkeit wünschen." (Zitat Bernd Bogert, Geschäftsführer der St. Gereon Seniorendienste, Projektpartner in Pflege-Prävention 4.0)

Bei beiden Praxispartnern hat das Projekt von Anfang an Beschäftigte aller berufsgruppen und Ebenen in die aktiven Gestaltungsprozesse eingebunden. Die Mitarbeitenden der Altenpflegeeinrichtungen haben diese Beteiligungsmöglichkeit gerne angenommen und entwickeln mit den Forschungspartnern passgenaue Ansätze zur Gesundheitsprävention. Dabei hat sich bereits gezeigt, dass die Überantwortung betrieblicher Fachexpertenrollen auch für Pflegehilfskräfte eine motivierende und gesundheitsförderliche Maßnahme sein kann. Denn die Arbeitsvielfalt wird erhöht, Arbeitsabläufe können evidenzbasierter gestaltet und gesundheitliche Belastungen durch Belastungswechsel reduziert werden. An anderer Stelle ist ein Bewusstsein entstanden, dass eine leitbildorientierte Verbesserung der internen Unternehmenskultur ein ebenso wichtiger Beitrag zum Employer Branding ist, wie eine gute Außendarstellung einer Pflegeeinrichtung.

Das Projekt bietet Impulse für die gesamte Branche

Ein besonderes Kennzeichen des Projektes Pflege-Prävention 4.0 ist die enge Vernetzung mit der Praxis und der Branche.

Durch verschiedene Veranstaltungen und Kommunikationsformen (Online und Offline) wird der Austausch mit der Branche auch jetzt in der ersten Projektphase projektbegleitend geführt (Veranstaltungsankündigungen anbei).

In der zweiten Phase des Projektverlaufs werden im Projekt Pflege-Pra?vention 4.0 eine Reihe von Leitfäden erarbeitet und den jeweiligen Zielgruppen zugänglich gemacht werden:

  • ein Leitfaden "Lebenslang gesund arbeiten in Pflegeberufen",
  • ein Leitfaden "Moderne Dienstleistungen im Pflegebereich",
  • ein Leitfaden "Gesunde Arbeitsbedingungen in Pflegeeinrichtungen"
  • und ein vierter Leitfaden "Die Altenpflege als attraktiver Arbeitgeber".

Die wissenschaftlichen und methodischen Ergebnisse werden für die Scientific Community in einer Abschlussveröffentlichung in Buchform festgehalten.

Die Transferpartner DBFK, KDA, ver.di, BFS, BGW, Vincentz sowie Caritas und Diakonie erhalten die Projektergebnisse und gestalten damit die Zukunftsdiskussionen in der Altenpflegebranche nachhaltig mit.

Literatur

Bertelsmann Stiftung (2012): Themenreport "Pflege 2030". Was ist zu erwarten - was ist zu tun? Unter Mitarbeit von H. Rothgang, R. Müller und R. Unger. Hg. v. Bertelsmann Stiftung. Gütersloh. Online verfügbar unter http://www.bertelsmann-stiftung.de.

Dunkel, W., Grabner, D. (2010): Interaktive Arbeit als Kern von Pflege; in Fuchs-Frohnhofen, P. u. a. (Hg.): Wertschätzung, Stolz und Professionalisierung in der Dienstleistungsarbeit "Pflege", Tectum-Verlag, Marburg, S. 22-25.

Fuchs-Frohnhofen, P., Isfort, M., Wappenschmidt-Krommus, E., Duisberg, M., Neuhaus, A., Rottländer, R., Brauckmann, A. (2010): Wertschätzung und Stolz fördern Wertschöpfung; in Fuchs-Frohnhofen, P. u. a. (Hg.): Wertschätzung, Stolz und Professionalisierung in der Dienst-leistungsarbeit "Pflege", Tectum-Verlag, Marburg, S. 14-21.

Ilmarinen, Juhani; Giesert, Marianne; Tempel, Jürgen (2002): Arbeitsfähigkeit 2010. Was können wir tun, damit Sie gesund bleiben? Hamburg: VSA-Verl.

Isfort, M., Weidner, F. (2009): Pflegethermometer 2009 - Eine bundesweite Befragung von Pflegekräften zur Situation der Pflege und Patientenversorgung im Krankenhaus; herausgegeben vom dip e. V., Köln, S. 86.

Nickel, Stefan; Kersten, Maren (2014): Psychometrische Prüfung des Fragebogens zur psychischen Belastung in der stationären Altenpflege "miab". "miab". Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Hamburg, zuletzt geprüft am 05.04.2016.

Schaarschmidt, Uwe & Fischer, Andreas. W. (2008). Arbeitsbezogenes Verhaltens- und Erlebensmuster: AVEM (Standardform), AVEM-44 (Kurzform) ; Manual (3. Aufl.). London: Pearson.

Simon, M., Tackenberg, P., Kümmerling, A., Büscher, A. & Müller, B.H. (2005): Auswertung der ersten Befragung der NEXT-Studie in Deutschland, Bergische Universität Wuppertal und Private Universität Witten-Herdecke.

Veröffentlichungen aus dem Projekt Pflege-Prävention 4.0

Fuchs-Frohnhofen, P., Isfort, M., Ciesinger, K.G. (2016): Innovationsbedarfe bezüglich der mitarbeiterbezogenen Gesundheitsprävention in der Altenpflege - Ausgangsüberlegungen zum Forschungsprojekt Pflege-Prävention 4.0; Fortschrittsbericht Nr.1 im Verbundprojekt Pflege-Prävention 4.0, Würselen, 16 S., im Internet verfügbar unter http://www.praevention-fuer-pflegende.de/files/pflege-praevention40/layout/js/FB_1_pflege_praevention.pdf

Fuchs-Frohnhofen, P., Schimweg, R. (2016): Prävention 4.0 in der Altenpflege - Innovative Ansätze für gesunde Arbeitsgestaltung in Pflegeberufen. præview - zeitschrift für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention, 7. Jg., Heft 1/2016, S. 28-29.

Ansprechpartner

Dr. Paul Fuchs-Frohnhofen
MA&T Sell & Partner GmbH
Karl-Carstens-Straße 1
52146 Würselen/Aachener Kreuz
Tel.: 02405-4552-0 | Fax: 02405-4552-200
fuchs@mat-gmbh.de | www.mat-gmbh.de
www.praevention-fuer-pflegende.de

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